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Custo Dalmau

Der spanische Freigeist

Vor über 25 Jahren gründete der Spanier Custo Dalmau (50) das Fashionlabel Custo Barcelona. Heute ist es die international erfolgreichste Marke. Wir trafen den Chefdesigner und Gründer Custo kurz vor seiner Show bei der New York Fashion Week zum Interview. Er verriet CASTING das Erfolgsgeheimnis seines Labels und warum er davon überzeugt ist, das sich die Modebranche immer dem Magerwahn unterwerfen wird.

 

SF: Die Spanier lieben den Hippielook und farbenfrohe Kleidung. Das liegt aber nicht nur an der Sonne, oder?

Custo: Das liegt auch an der spanischen Mentalität. Ich will nicht alle Spanier über einen Kamm scheren, aber sie sind einfach lockerer und entspannter. Das wiederum liegt mit Sicherheit an der Sonne – schau dir etwa mal die afrikanische Mode an: Bunt und lebendig.

 

SF: Du hast mal gesagt, dass Farben genauso wichtig wie Medizin seien– das musst Du mir näher erklären.

Custo: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Farben sich auf die Psyche auswirken und die Psyche einen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat. Freundliche und kräftige Farben machen gute Laune – sie stimulieren aber auch unseren Geist. Und Mode sollte immer eine positive Wirkung haben. Das ist das oberstes Ziel bei der meiner Arbeit als Designer.

 

SF: Der eigene Modestil müsste sich demzufolge verändern, würde man in ein anderes Land mit weniger Sonnenstunden ziehen?

Custo: Ja, bestimmt. Schaut man nach Kanada oder Skandinavien, triftt man Menschen, die sich lieber einfarbig oder ganz dunkel anziehen. Es ist der Einfluss der Sonne, des Lichts, der unseren Modestil maßgeblich beeinflusst. Viele unterschätzen das.

 

SF: Deine Kollektionen haben alle eins gemeinsam: Sie sind bunt. Wenn Du Dich für Deine nächste Kollektion für nur eine Farbe entscheiden müsstest, welche würdest Du wählen?

Custo: Oh, das ist schwierig! Vermutlich weiß. Ja, ich würde nicht auf weiß verzichten wollen.

 

SF: Wie sieht die typische Custo Barcleona – Frau aus?

Custo: Eine Frau, die Spaß daran hat, sie selbst zu sein. Sie ist selbstbewusst und folgt nicht allen Modegesetzen. Die typische Custo-Frau mag es individuell und kreiert ihren eigenen Stil, um ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

 

SF: Vor über 27 Jahren hast Du zusammen mit Deinem Bruder David das Label Custo Barcelona gegründet. Welche Rolle spielt familiäre Unterstützung bei Deiner Arbeit?

Custo: Mir ist es natürlich wichtig, dass meine Familie hinter mir steht. Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Aber sie ist nicht in meinen Arbeitsprozess eingebunden.

 

SF: Custo Barcelona ist das einzige spanische Label, das internationalen Erfolg hat. Was hast Du richtig gemacht?

Custo: Oh, vielen Dank für das Kompliment. Um ehrlich zu sein, ich habe einfach gearbeitet. Ich liebe meine Arbeit und kann nie ohne sein. Aber da musst Du die Leute fragen, die mein Label Custo Barcelona tragen.

 

SF: Wie erklärst Du Dir den Begriff „Customania“?

Custo: Wenn ich eine Custo Barcelona Kollektion beendet habe, werden die Teile nicht mehr verkauft. Es gibt Menschen, die angefangen haben die T-Shirts zu sammeln. Neulich habe ich jemanden getroffen, der tatsächlich 400 Shirts von Custo Barcelona gesammelt hatte.

 

SF: Wie schaffst Du es bei so viel Erfolg auf dem Boden zu bleiben?

Custo: Das ist nicht schwierig. Durch den Realitätssinn. Ich bin wie ich bin. Das ist alles. Ich liebe meinen Job sehr. Aber das Leben besteht aus mehr, als nur aus Mode. Es gibt tatsächlich Wichtigeres. Dessen sollte man sich einfach immer bewusst sein.

 

SF: Zu Beginn Deiner Karriere hast Du T-Shirts bedruckt und eher wie ein Grafikdesigner als ein Modedesigner, gearbeitet. Wie schwierig waren die ersten Schritte in einer fremden Branche?

Custo: Ach, nicht schwierig. Ich stelle mich neuen Situationen einfach. Das Wichtigste ist dazu zu lernen und es zu versucht zu haben. Was soll denn groß passieren? Entweder es funktioniert oder es funktioniert nicht.

 

SF: Heute ist der Tag vor der großen Show auf der New York Fashion Week. Wie geht es Dir, wie hoch ist der Druck?

Custo: Ich mache das schon seit vielen Jahren und spüre kaum noch Druck. Meine erste Show in New York war 1996. Das ist lange her. Außerdem habe ich ein eingespieltes Team. Ich bin also total entspannt und überhaupt nicht aufgeregt wegen der Show.

 

SF: Wie schnell erkennst Du beim Fitting, welches Model welchen Look tragen wird?

Custo: In der Regel sofort. Ich sehe das Model und weiß in dem Moment, welches meiner Outfits sie tragen muss. Nach dieser intensiven Arbeit an meiner Kollektion, habe ich einen Blick dafür, welches Model, welche Kreation tragen muss. Dennoch berate ich mich kurz mit meinem Team. Ich bin kein Einzelkämpfer. Das wäre langweilig.

 

SF: Um als Model international erfolgreich zu sein, muss man spindeldürr sein – oft an der Grenze zur Magersucht. Gibt es Grenzen, die Du als Designer ziehst?

Custo: Nein. Meine Models sind sehr dünn, das ist richtig. Aber sie sind nicht krank. Ich musste noch nie ein Model nach Hause schicken, weil es offensichtlich magersüchtig war.

 

SF: Du als Designer hast auch eine Verantwortung. Du hast vor allem eine gewisse Macht, dem ganzen Magerwahn ein Ende zu bereiten.

Custo: Das glaube ich nicht. Ich bin nicht der einzige Designer auf der Welt. Außerdem habe ich gar kein Interesse daran, zu sagen, ich möchte jetzt nur noch dicke Models in Custo Barcelona sehen.

 

SF: Immer mehr Moderedakteure weigern sich Designer-Kleider in sehr kleinen Größen abzubilden. Ihr Argument: Nur Models haben solche Maße, nicht aber die Durchschnittsfrau, die sich in Zeitschriften Inspirationen holen möchte.

Custo: Das ist nicht so einfach. Selbst die Leserinnen der Modezeitschriften, die selbst keine Modelmaße haben, wollen in der Regel, schlanke Frauen sehen. Ich verstehe den Ansatz sehr gut, meiner Meinung nach wird das aber nicht funktionieren.

 

SF: Die Schreie nach normalgewichtigen Models werden immer lauter. Vielleicht können die Modedesigner eines Tages nicht anders und müssen umdenken?

Custo: Das glaube ich absolut nicht. Ich glaube nicht, dass sich das eines Tages ändern wird.

 

SF: Was denkst du spricht noch dagegen?

Custo: Die Antwort ist ganz einfach: Mode sieht an schlanken Frauen einfach besser aus. Wenn du Models auf dem Laufsteg siehst, willst du träumen und du willst unterhalten werden. Machen wir uns nichts vor: Natürlich schaut man lieber auf ein Model mit langen, schlanken Beinen! Ich glaube, das geht jedem so. Ob die Durchschnittfrau nun selbst anders aussieht oder nicht.

 

SF: Welche Trends prognostizierst Du für 2010?

Custo: Wir versuchen uns bei Custo Barcelona nie von Trends beeinflussen zu lassen! Denn die Leute sollen unsere Sachen erkennen, ohne das Etikett zu lesen. Wir haben unsere eigene Identität und unsere Linie und wollen frei von kurzlebigen Trends sein.

 

SF: Im letzten Jahr hast Du Deine Kollektion um Accessoires erweitert. Was kommt als Nächstes? Ein Custo-Barcelona – Haus? Du hast ja mal Architektur studiert.

Custo: Oh, nein. Besser nicht. Ich konzentriere mich voll und ganz auf mein Label. Ich möchte weitere Stores auf der ganzen Welt eröffnen. Das bedeutet genug Arbeit.

 

SF: Seit ich Dich rund um die Fashion Week sehe, kleben ständig ganze Menschenmassen an Dir, die etwas von Dir wollen. Ist das manchmal nicht auch zu viel?

Custo: Eigentlich nicht. Ich mag es laut und hektisch. Wenn es dann doch mal zu viel sein sollte, ziehe ich mich ein paar Minuten zurück und mache eine kleine Pause. Das kommt aber in den seltensten Fällen vor. Fast nie.

 

SF: Typisch spanisch, oder?

Custo: Ja, ganz genau. In dieser Beziehung bin ich vermutlich der typische Spanier!

 


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