0162 248 33 65
Zurück

MILOW

So wurde ich ein Shooting-Star!

Der 28-jährige Belgier ist der Newcomer des Jahres. Sein Coversong „Ayo Technology“ sorgte dank des pornographischen Textes für Furore. Die samtige Schmusestimme gehört einem cleveren Typen, der sich selbst zum Pop-Aufsteiger machte, nachdem ihn kein Label wollte. Milow erklärt exklusiv in CASTING, wie auch Dir das gelingen kann.  

SF:  Wie fühlt es sich an, ein Star zu sein?

Milow: Mit 18 Jahren lebte ich ein Jahr in Kalifornien. Das erweiterte meinen Horizont. Und nach jedem Erfolg, sagte ich mir, okay, aber es ist ja nur Belgien, das ist so ein kleines Land. Jetzt, da ich außerhalb meiner Heimat bekannt bin, bin ich immer noch nicht zufrieden. Werde ich wohl nie sein. Es geht nicht nur darum seine Ziele zu erreichen, sondern auch den Weg dahin. Also nicht nur die Nummer eins zu sein. Die Frage ist immer: Was kommt danach?

SF: Du hast Dich in Deutschland bewusst für einen Coversong – „Ayo Technology“ – als erste Single entschieden. Du kanntest also das Risiko, dass Dich die Leute nicht als ernsthaften Musiker wahrnehmen könnten?

Milow: Ja, aber ich habe mich dennoch für das Cover entschieden, weil es viele Türen öffnet und den Leuten stark in Erinnerung bleibt. Und jetzt beweise ich mit meiner zweiten Single „You don’t know“, dass ich auch meine eigenen Songs schreiben kann. Gerade im Musikbusiness macht es einen enormen Unterschied, ob man einen Hit oder zwei Hits hatte. Bei zwei Top-Songs bekommt man Konzerte. Und darauf kommt es mir an.

SF: Hast Du Dich gezielt nach einem covertauglichen Song umgeschaut?

Milow: Nein. Ich sah das Video zu „Ayo Technology“ von 50 Cent und Justin Timberlake und wusste, dass es von Pornographie und Cybersex handelt. Aber es ist so anders und gab mir die Freiheit, etwas komplett Neues daraus zu machen. Und so ist der Song in einer einzigen Stunde im Januar entstanden.

SF: Was waren Deine ersten Schritte in das Musikbusiness?

Milow: Das war ein langsamer Prozess. Ich spielte immer Musik, lernte Instrumente. Aber es dauerte eine Weile, bis ich meine Stimme und meinen eigenen Style gefunden hatte. Ich musste einige schlechte Songs schreiben, bis ich gute schreiben konnte.  

SF: Du hast Dich also schon früh dazu entschieden, professioneller Musiker zu werden?

Milow: Alles was Du entscheiden kannst ist: Ich werde versuchen, ein professioneller Musiker werden. Bis vor zwei Jahren war das bei mir recht unrealistisch. Erst im Frühjahr 2007 kam der Gedanke bei mir auf, dass das vielleicht tatsächlich funktionieren könnte.

SF: Was hättest Du gemacht, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?

Milow: Ich habe 2006 meinen Abschluss in Politikwissenschaften gemacht. Aber schon während der Uni habe ich nebenher als Barkeeper gearbeitet und mein Geld in Instrumente und die Musik investiert.

SF: Eine Musikkarriere zählt zu den unsichersten überhaupt. Hast Du Angst vor dem Fall?

Milow: Zumindest kann ich mir in zehn oder fünfzehn Jahren nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Aber ich habe im Gefühl, dass das mein Jahr werden könnte. Deshalb nutze ich jede Gelegenheit und arbeite weiter hart. Denn es ist absolut möglich, dass das bereits der Highlight meiner Karriere ist. Was ein deprimierender Gedanke ist, aber ich versuche, das Gegenteil zu beweisen.

SF: Der Wille, im Musikbusiness Fuß zu fassen, ist schon mal gut. Aber das allein reicht nicht – wie hast Du tatsächlich den Einstieg geschafft?

Milow: Anfang 2004 gab es einen Musikwettbewerb, der nichts mit den Popstars und DSDS-Castings zu tun hatte. Ich habe es nur mit meiner Gitarre unter den Top 10 geschafft. Die Zeitungen schrieben erstmals über mich. Dennoch dauerte es noch bis Sommer 2005, bis ich mein erstes Album aufnehmen konnte.

SF: Wer ein Popstar werden will, braucht also Geduld?

Milow: Unbedingt! In Belgien fand ich nie ein Label, das mich wollte. Das war ganz schön enttäuschend. Aber nach einer Weile entschied ich mich, einfach alles alleine in die Hand zu nehmen. Ich habe mir Geld geliehen und meine eigenes Label gegründet: Home Run Records.

SF: Du hast Dein erstes Album komplett selbst finanziert?

Milow: Ja, genau. Ich hatte den ganzen Kofferraum voll mit meinen CDs und bin quer durch Belgien gefahren. Ich habe alle Radiostationen abgeklappert und mich dort vorgestellt. Das war ein mühseliger Weg. Aber endlich wurde ich im Radio gespielt und eine Menge Leute haben gesehen, dass ich wirklich hart arbeite, um mir meinen Traum zu erfüllen.

SF: Heute bist Du bei einem Big Player – Universal gesignt!

Milow: Ich glaube, ein Grund warum sie auf mich aufmerksam geworden sind ist, weil sie gesehen haben, wie gut ich es alleine meistern und hart arbeiten kann.

SF: Du hast keinen Manager?

Milow: Nein, ich habe weder Manager, noch sonst einen Berater. Ich habe niemanden, der mir sagt, was ich zu tun habe. Der Grund, warum ich hier im Interview mit dir sitze, ist, weil ich das will. Ich werde niemals etwas machen, wobei ich kein gutes Gefühl habe, etwas das nicht zu mir passt. Jetzt kann ich natürlich nicht mehr mit meinen CDs im Kofferraum nach Rom fahren. Aber ich behalte die absolute künstlerische Kontrolle.

SF: Aber ein Manager könnte Dir einiges an Arbeit abnehmen!

Milow: Ja, aber ich habe einige Theorien über die Musikbranche. Ich denke, dass ein Manager mit zu vielen Bands und Künstlern beschäftigt ist. Andere Musiker haben mich schon nach meinem Weg gefragt und meinten, sie würden sich gar nicht selbst managen können. Ihnen sage ich dann immer, ich konnte es auch nicht. Ich habe es mir einfach selbst beigebracht!

SF: Welche Tipps kannst Du jungen Musikern aus eigener Erfahrung geben?

Milow: Mein Traum war es: Du schreibst Songs, und nach ein paar Konzerten entdeckt Dich ein Label, gibt Dir eine Menge Geld, und Du machst einfach nur Musik und hast ein super Leben. Die Wahrheit ist, dass sich die Dinge geändert haben. Die Labels erwarten, dass man es erst mal alleine versucht. Sie steigen zu einem späteren Zeitpunkt ein. Du musst Dich erst beweisen. Das Positive ist: Sollte Dich mal das Label kündigen, weißt Du, dass Du es auch ohne sie schaffen kannst. Du kennst Dich im eigenen Business aus.

SF: Aber wie stellt man es als junger Musiker an, auf sich aufmerksam zu machen?

Milow: Man kann auf Plattformen wie MySpace und Youtube weit kommen. Ich glaube immer noch daran, dass es wichtig ist, gute Live-Konzerte zu spielen. Die Besucher erzählen von Deiner Band ihren Freunden, und die wiederum ihren. Es ist ein langsamer Weg nach oben, aber er ist ehrlich. Man muss nur jeden Tag hart arbeiten und alles für seinen Traum geben.  

SF: Hat Dich Deine Familie bei Deinem Traum, ein Musikstar zu werden, unterstützt?

Milow: Ich bin Teil einer Generation, die sich glücklich schätzen kann. Es ist nicht lange her, da war es der Albtraum jeder Eltern, wenn ein Kind gesagt hat, es wolle Musiker werden. Heute ist der Beruf Musiker anerkannter. Eltern unterstützen die Jugendlichen mehr in ihren Wünschen. Wenn die Familie einen aber nicht unterstützt, dann kann das zu Beginn sogar noch motivierend sein. Aber jeder braucht mentale Unterstützung, und wenn die fehlt, kann einem auch irgendwann einmal die Lust an der Musik abhanden kommen.

SF: Was war Dein schlimmster Rückschlag in Deiner bisher jungen Karriere?

Milow: Oh, da gab es viele. 2006 erlebte ich eine riesige Enttäuschung. In Belgien hatte ich mein erstes Album veröffentlicht, und die erste Single wurde im Radio gespielt. Ich ging zu den Radiostationen, um meine zweite Single zu promoten. Ich war überzeugt, dass sie dann auch den nächsten Song spielen würden. Eine Woche später wurden die Playlists veröffentlicht – keiner der Radiostationen hatte meinen Song aufgenommen. Ich war schrecklich enttäuscht. Wenn sie Dich nicht im Radio spielen, ist es aus und vorbei. Dann bekommst Du auch keine Konzerte.

SF: Wie bist Du damit umgegangen?

Milow: Ich war einen Tag lang deprimiert. Am zweiten Tag habe ich versucht, wieder hochzukommen und mich zu motivieren. Deshalb kann ich Euren Lesern nur empfehlen: Gerade die Rückschläge motivieren einen, es noch besser zu machen. Eine der wichtigsten Regeln lautet: Du musst Dir den Erfolg jeden Tag neu erarbeiten.  

SF: Signst Du auch selbst Musiker auf Deinem eigenen Label?

Milow: Ja, das ist etwas was ich unbedingt machen möchte. Aber im Moment habe ich einfach keine Zeit dazu. Ich kann unmöglich jemanden signen und ihm dann sagen, tut mir leid, ich habe keine Zeit mehr für Dich. Aber vermutlich in einem Jahr ist es soweit. Ich werde dann alles Mögliche machen, um junge Künstler zu unterstützen.

SF: Vielleicht könntest Du andere Musiker managen?

Milow: Ja, das wäre wirklich interessant. Aber andererseits, ich glaube ja nicht an Manager. Da hätte ich ein Problem (lacht). Jetzt habe eine Idee! Ich lehre den Künstler, sein eigener Manager zu sein. Das werde ich machen!

SF: Du hast Dir einiges an Arbeit vorgenommen. Wie sieht es privat aus? Wie verbringst Du Deine Zeit, wenn Du frei hast?

Milow: Wenn ich nur ein oder zwei Tage zu Hause bin, dann genieße ich ruhige Abende und koche für mich. Ich freue mich darüber, in meinem eigenen Bett zu schlafen. Auf Konzerten gibt es immer eine Menge Alkohol, und es sind immer lange Nächte. Wenn ich gut gespielt habe, will ich feiern, wenn nicht, dann will ich das vergessen und trinke. (lacht).

SF: Hast Du eine Freundin?

Milow: Ja. Den Rest will ich privat halten.

SF: Und wie viele Groupies hat Milow?

Milow: Das ist mit den Groupies ist eines der größten Mythen im Musikbusiness. Bislang gab es noch keine Geschichten dieser Art.

SF: Aber es kommen doch sicherlich einige hübsche Frauen zu Deinen Konzerten…

Milow: Ja, natürlich – da sind einige dabei. Manchmal sehen sie auch wirklich verdammt hübsch aus. Aber es gibt zwei Bandkollegen, die Single sind. Denen sage ich immer, genießt es. Aber bei mir gibt es da noch keine Geschichte. Jetzt bist Du enttäuscht, oder?

SF: Nur ein wenig. Wie viel Geld hast Du mit deinem Hit „Ayo Technology“ verdient? 

Milow: Die meisten Leute denken, ein Top 5 Hit und Du bist reich. Außer Du hast einen Top 5 Song von 50 Cent. Er ist ein reicher Mann. Aber er macht eine Menge Geld mit dem Erfolg von Ayo Technology in Europa.

SF: Eigentlich ungerecht, er wird noch reicher mit Deiner Arbeit?

Milow: Ich wusste das immer und beschwere mich nicht wegen des Geldes. Dieser Song hat so viele Türen für mich geöffnet. Das Wichtige ist doch, dass ich weitere Alben und weiter Musik machen kann. Und ab und an mir eine Gitarre kaufen kann.

SF: Das müsste ja finanziell wohl drin sein?

Milow: Gerade weil es im Moment so gut läuft, passe ich auf. Ich bin mir bewusst, dass es sehr gut bald vorbei sein könnte. Ich werde wahrscheinlich von dem Geld, das ich im Moment verdiene, noch viele Jahre leben müssen.

SF: Es kam noch nicht mal ein Präsentkorb von 50 Cent?

Milow: Nein! Aber vielleicht weil er seinen Copyright-Scheck noch nicht erhalten hat. Oder weil ich R’nB Videos parodiert habe, dann denkt er vermutlich: „Fuck this guy“ [1]. Wenn er ein guter Sportler ist, steht er drüber. Aber das interessiert mich nicht. Solange er kein Drive-by Shooting organisiert.

SF: Das hoffe ich doch schwer.

Milow: Ja, lass uns das einfach hoffen. Denn als nächstes will ich meine Chance nutzen und in den USA durchstarten.


#Milow

Milow-Interview